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Pascal Reischl

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Der teuerste Klick in Outlook heißt "als ungelesen markieren"

Ein Quick Step, drei Tasten, ein leerer Posteingang. Wie du Outlook und Microsoft To Do so einrichtest, dass aus E-Mails echte nächste Schritte werden.


Er kostet eine halbe Sekunde und du machst ihn vierzig Mal am Tag. Was dabei passiert: du hast die Mail gelesen, du hast erkannt, dass etwas zu tun ist, du hast die Denkarbeit also fast erledigt. Und dann wirfst du das Ergebnis weg und tust so, als hättest du sie nie gesehen.

Beim nächsten Durchgang liest du dieselbe Mail wieder. Und erkennst wieder, dass etwas zu tun ist. Und markierst sie wieder als ungelesen, weil du gerade keine Zeit hast, es zu tun.

Bei einer Mail, die drei Tage im Posteingang liegt, machst du diese Denkarbeit sechs- oder siebenmal. Das ist der eigentliche Grund, warum ein voller Posteingang müde macht. Nicht die Menge, sondern die Wiederholung.

Der Ausweg besteht aus einem einzigen Prinzip: du triffst die Entscheidung einmal und hältst sie fest. In Microsoft 365 lässt sich das mit einem Quick Step und drei Tasten so einrichten, dass es schneller geht als das Ungelesen-Markieren.

Was du vorher abschalten musst

Bevor du irgendwas einrichtest, gehen die Benachrichtigungen aus. Alle. Ton, Desktop-Popup, Briefumschlagsymbol im Infobereich, Badge am Handy.

Der Grund ist nicht Konzentration im Allgemeinen, sondern dass dieser Workflow nur in Blöcken funktioniert. Du verarbeitest zwei- oder dreimal täglich den kompletten Eingang, und dazwischen ist Outlook zu. Wer alle acht Minuten hinschaut, verarbeitet nicht, sondern reagiert, und dann hilft auch der beste Quick Step nichts.

In Outlook für Windows liegt das unter Datei, Optionen, E-Mail, im Abschnitt zum Nachrichteneingang. Alle vier Häkchen weg.

Der Quick Step, um den es geht

Ein Quick Step ist eine Kette von Aktionen auf einen Klick. Wir brauchen zwei davon.

Quick Step “Nächster Schritt”

Im Menüband unter Start findest du den Bereich Schnellbausteine, dort auf Neu erstellen und dann Benutzerdefiniert.

  1. Aktion: Nachricht kennzeichnen, Einstellung “Kein Datum”
  2. Aktion: In Ordner verschieben, Ziel “Archiv”

Wichtig ist die dritte Sache auf derselben Maske: weise dem Quick Step eine Tastenkombination zu. Outlook bietet Strg plus Umschalt plus 1 bis 9 an. Ohne Tastenkürzel greifst du zur Maus, und dann ist der Workflow langsamer als das, was du ersetzen wolltest.

Quick Step “Wartet auf”

Denselben Ablauf noch einmal, aber mit einer Kategorie statt der Kennzeichnung. Aktion eins: Nachricht kategorisieren, Kategorie “Wartet auf”. Aktion zwei: In Ordner verschieben, Archiv. Auch hier ein Tastenkürzel.

Diesen zweiten Quick Step lässt der übliche Ratgeber weg, und genau deshalb fällt in solchen Setups nach zwei Wochen alles Delegierte durchs Raster. Alles, was du weitergegeben hast und wofür du trotzdem noch geradestehen musst, braucht einen Ort. Sonst erinnerst du dich daran erst, wenn jemand nachfragt.

Der Durchgang: drei Tasten, von oben nach unten

Beim Verarbeiten arbeitest du nicht. Du entscheidest nur. Jede Mail bekommt genau eine von drei Behandlungen:

Entf für alles, was weg kann. Newsletter, Terminbestätigungen von gestern, Kollegen-Danke.

Backspace für alles, was du nur zur Kenntnis nimmst. Die Mail landet im Archiv. Keine Ordnerstruktur, keine Sortierung. Ein Archiv reicht, die Suche findet es zuverlässiger als jeder Ordnerbaum, den du dir ausdenkst.

Dein Quick Step für alles, wo du etwas tun musst. Mail wird gekennzeichnet und wandert ins Archiv.

Eine Ausnahme, die vor allen dreien kommt: wenn die Antwort in weniger als zwei Minuten geschrieben ist, schreib sie jetzt. Aber halt dich an die zwei Minuten. In der Praxis ist das die Stelle, an der Verarbeitungsblöcke sterben, weil aus zwei Minuten zwölf werden und aus einem Durchgang ein Vormittag. Wenn du zögerst, ob es zwei Minuten sind: sind es nicht.

Der Schritt, an dem fast alle scheitern

Gekennzeichnete Mails tauchen in Microsoft To Do in der Liste “Gekennzeichnete E-Mails” auf. Diese Liste muss man in den To-Do-Einstellungen erst aktivieren, sonst wartet man vergeblich. Und die Verknüpfung funktioniert nur mit Exchange-Konten, also Microsoft 365 oder Outlook.com. Wer ein IMAP-Konto von einem anderen Anbieter in Outlook eingebunden hat, bekommt diese Brücke nicht.

Jetzt kommt der Teil, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Diese Liste ist keine Aufgabenliste. Sie ist eine zweite Inbox. Dort steht “AW: Nachfrage Angebot KW34” und nicht, was du zu tun hast. Wer nur flaggt und nie weitergeht, hat seinen unverarbeiteten Stapel bloß von Outlook nach To Do umgezogen und darf sich in drei Wochen fragen, warum das neue System auch nicht funktioniert.

Der zweite Handgriff ist Pflicht: Aufgabe umbenennen in eine konkrete Handlung, dann in die richtige Liste schieben.

Aus “AW: Nachfrage Angebot KW34” wird “Tobias anrufen wegen Preisstaffel Projekt X”. Verb, Objekt, klar genug, dass du in drei Tagen ohne Nachdenken loslegen kannst. Die Ursprungsmail bleibt an der Aufgabe hängen und ist einen Klick entfernt, das ist der eigentliche Vorteil dieser Kopplung.

Ich mache das direkt im Anschluss an den Verarbeitungsdurchgang, nicht später. Erst Outlook leeren, dann To Do leeren. Beides zusammen dauert bei fünfzig Mails etwa fünfzehn Minuten, wenn man geübt ist.

Was Microsoft To Do kann und wo es aufhört

Für Nächste-Schritte-Listen ist es brauchbar. Eigene Listen pro Kontext, also Anrufe, Büro, Besorgungen, oder pro Bereich. Hashtags im Aufgabentitel funktionieren als zweite Sortierebene, wenn dir Listen allein zu grob sind. Die Verknüpfung zur Ursprungsmail ist der Punkt, an dem es andere Tools schlägt.

Wo es schwach ist: Projekte. Eine Aufgabe mit Unteraufgaben ist kein Projektmanagement, und die Projektliste im GTD-Sinn bildet To Do nicht sauber ab. Wer damit arbeitet, führt die Projektliste meistens woanders und nutzt To Do nur für die nächsten Schritte. Das ist kein Mangel, solange es eine bewusste Entscheidung ist und nicht auffällt, wenn im Wochenrückblick die Hälfte fehlt.

“Mein Tag” ist optional. Es hilft Leuten, die sich vor Optionen festfahren, und es verleitet andere dazu, morgens eine Wunschliste zu bauen, die um elf schon falsch ist.

Inbox Zero ist kein Ziel

Ein leerer Posteingang ist ein Nebenprodukt, kein Erfolg. Wer die Null zum Ziel macht, fängt an, Mails wegzuschieben, um die Zahl zu drücken, und trifft die Entscheidungen dann eben nicht. Das Ergebnis ist ein leerer Eingang und ein voller Kopf, also genau das Gegenteil.

Der Zweck ist ein anderer: du hast jede Nachricht einmal angeschaut, entschieden was sie bedeutet, und das Ergebnis steht an einem Ort, dem du traust. Dass der Eingang danach leer ist, ergibt sich von selbst.

Woran es typischerweise scheitert

Die gekennzeichneten Mails werden nie umbenannt. Der häufigste Fehler, siehe oben. Zwei Inboxen sind schlimmer als eine.

Kein Tastenkürzel auf dem Quick Step. Klingt nach Kleinigkeit. Entscheidet aber darüber, ob du den Workflow bei achtzig Mails durchhältst.

Die Zwei-Minuten-Regel wird gedehnt. Aus dem Verarbeitungsblock wird ein Arbeitsblock, der Eingang bleibt halb voll, und am nächsten Tag ist es schlimmer.

Ordnerstrukturen im Archiv. Wer beim Archivieren noch entscheiden muss, wohin, archiviert langsamer und findet nachher trotzdem nichts. Ein Archiv, Suche nutzen.

Der Wochenrückblick fehlt. Die Kategorie “Wartet auf” ist wertlos, wenn niemand einmal pro Woche durchgeht und prüft, was seit zwei Wochen offen ist.

Häufige Fragen

Wie erstelle ich einen Quick Step in Outlook?

Unter Start im Bereich Schnellbausteine auf Neu erstellen und dann Benutzerdefiniert. Aktionen hinzufügen, in diesem Fall Nachricht kennzeichnen mit “Kein Datum” plus In Ordner verschieben ins Archiv. Im selben Dialog ein Tastenkürzel zuweisen.

Warum erscheinen meine gekennzeichneten Mails nicht in Microsoft To Do?

Die Liste “Gekennzeichnete E-Mails” muss in den Einstellungen von To Do aktiviert sein. Außerdem funktioniert die Verknüpfung nur mit Exchange-Konten, also Microsoft 365 oder Outlook.com, nicht mit eingebundenen IMAP-Konten anderer Anbieter.

Was ist der Unterschied zwischen Kennzeichnen und einer Aufgabe?

Eine gekennzeichnete Mail ist eine Merkhilfe, dass hier noch etwas offen ist. Eine Aufgabe ist eine formulierte Handlung. Der Schritt vom einen zum anderen ist die eigentliche Arbeit und lässt sich nicht automatisieren.

Brauche ich eine Ordnerstruktur für archivierte Mails?

Nein. Ein einzelner Archivordner plus Volltextsuche ist schneller als jede Ordnerhierarchie, weil beim Ablegen keine Entscheidung nötig ist und beim Suchen kein Erinnern.

Funktioniert das auch im neuen Outlook?

Die Oberfläche und der Funktionsumfang unterscheiden sich je nach Version und Konto. Prüf vor dem Einrichten, ob deine Outlook-Version benutzerdefinierte Quick Steps mit Tastenkürzeln anbietet. Das Prinzip bleibt in jedem Fall gleich: eine Aktion, die kennzeichnet und archiviert.


Richte den Quick Step ein und geh damit einmal durch deinen kompletten Posteingang. Der interessante Moment kommt danach, wenn du in To Do siehst, wie viele Betreffzeilen dort stehen, aus denen noch niemand eine Handlung gemacht hat.

Themen: Outlook, Microsoft 365, Microsoft To Do, Inbox Zero

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