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Pascal Reischl

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Ich lege meine Rechnungen seit einem Jahr nicht mehr selbst ab

Wie ich Rechnungsablage, Projektordner und Wochenrückblick mit KI-geschriebenen Skripten automatisiert habe. Sechs konkrete Beispiele zum Nachbauen.


Der Auslöser war ein Wochenrückblick im vergangenen Winter. Ich suchte eine Rechnung aus dem Vormonat, fand sie nicht, und stellte beim Suchen fest: in meinem Downloads-Ordner lagen über tausend Dateien. Rechnungen, Angebote, Screenshots, drei Versionen desselben PDFs. Der Rückblick, für den ich mir neunzig Minuten geblockt hatte, wurde zur Aufräumaktion.

Das ist kein Zeitproblem. Zwei Minuten pro Rechnung sind zwei Minuten. Das Problem ist, was diese zwei Minuten mit dem System machen, dem ich vertrauen soll.

Warum digitaler Kleinkram ein GTD-Problem ist, kein Effizienzproblem

Jede Aufgabe, die ich manuell erledige, kann ich auch vergessen. Und jede Ablage, bei der ich manchmal schlampe, wird zu einer Ablage, der ich nicht mehr traue. Wenn ich nicht sicher bin, ob die Rechnung im richtigen Ordner liegt, suche ich beim nächsten Mal an drei Stellen statt an einer. Das kostet nicht nur Zeit, es kostet Vertrauen. Und ein System, dem ich nicht vertraue, muss ich im Kopf mitführen. Genau das, was wir mit GTD abschaffen wollen.

Die Zwei-Minuten-Regel funktioniert bei einer Rechnung. Bei vierzig im Monat ist sie eine schlechte Idee. Vierzigmal zwei Minuten sind über eine Stunde, und wichtiger: vierzig Unterbrechungen. Ablegen ist nicht die Arbeit. Ablegen ist die Bedingung dafür, dass die Arbeit findbar bleibt.

Solche Aufgaben gehören nicht auf eine Liste. Sie gehören weg.

Was sich geändert hat: der Programmierer sitzt jetzt im Browser

Ich baue seit über dreißig Jahren Software, beruflich seit 1998. Ich kann Skripte schreiben. Trotzdem habe ich es jahrelang nicht getan, weil die Rechnung nicht aufging: zwei Abende Arbeit für ein Skript, das mir zehn Minuten pro Woche spart, amortisiert sich irgendwann in einem Jahr, in dem ich das Skript längst nicht mehr brauche.

Diese Rechnung stimmt nicht mehr. Ich beschreibe einer KI, was passieren soll, sie schreibt mir den Code für Google Apps Script, ich teste ihn und passe zwei Kleinigkeiten an. Aus zwei Abenden werden vierzig Minuten. Bei vierzig Minuten lohnt sich fast alles.

Wer noch nie eine Zeile Code geschrieben hat, kommt hier ebenfalls weiter, braucht aber Geduld beim Testen. Das ist der ehrliche Teil, den die meisten Artikel zu dem Thema weglassen. Dazu unten mehr.

Sechs Automatisierungen, die bei mir laufen

1. Rechnungsablage komplett ohne Klick

Auslöser: Eine Mail mit dem Label Rechnung oder ein PDF in einem bestimmten Cloud-Ordner.

Ablauf: Das Skript zieht den Anhang, schickt ihn an ein KI-Modell zur Extraktion, holt sich Lieferant, Rechnungsdatum, Nummer und Bruttobetrag zurück, benennt die Datei nach dem Muster 2026-05-15_Lieferant_Rechnungsnummer.pdf um und legt sie unter Jahr und Monat ab. Parallel schreibt es eine Zeile in ein Google Sheet.

Ergebnis: Eine Ablage, die einheitlich benannt und durchsuchbar ist, plus eine Übersichtstabelle, die ich dem Steuerberater als Export schicken kann. Der Aufwand liegt bei null, solange nichts kaputtgeht.

Die Extraktion ist der Teil, der früher nicht ging. OCR allein liefert Textbrei. Ein Modell, das versteht, welche der vier Zahlen auf dem Dokument der Bruttobetrag ist, macht aus dem Textbrei strukturierte Daten. Das ist der eigentliche Sprung.

2. Projektordner entsteht beim Anlegen der Karte

Auslöser: Neue Karte in einer bestimmten Trello-Liste.

Ablauf: Automatisierung legt einen Drive-Ordner mit demselben Namen an und schreibt den Link zurück in die Karte.

Ergebnis: Ich muss nie wieder entscheiden, wo die Dateien zu diesem Projekt hingehören. Klingt banal. Ist aber die Entscheidung, die ich vorher jedes Mal aufgeschoben habe, was dazu führte, dass Projektdateien in Downloads landeten. Siehe oben.

3. Der Wochenrückblick bekommt seine Daten serviert

Das ist die Automatisierung, die für mich methodisch am meisten bringt.

Auslöser: Freitagmorgen, zeitgesteuert.

Ablauf: Ein Skript sammelt ein: alle Trello-Karten, die diese Woche in Erledigt gewandert sind, alle Kalendereinträge der vergangenen und der kommenden zwei Wochen, alle Projekte ohne nächsten Schritt, alle Wartet-auf-Einträge älter als zehn Tage. Das landet als ein Dokument in meinem Vault.

Ergebnis: Ich starte den Rückblick nicht mit Sammeln, sondern mit Denken. Die dreißig Minuten, die vorher für das Zusammenkratzen der Fakten draufgingen, stecke ich jetzt in die Frage, ob die Projekte überhaupt die richtigen sind.

Wer den Rückblick regelmäßig schleifen lässt, sollte hier anfangen. Die häufigste Ursache für ausgefallene Reviews ist nicht Zeitmangel, sondern die Hürde der ersten fünfzehn Minuten.

4. Wartet-auf-Liste, die sich selbst führt

Auslöser: Ich setze beim Versenden einer Mail das Label Wartet auf.

Ablauf: Ein Skript scannt einmal täglich alle so markierten Threads, prüft, ob eine Antwort eingegangen ist, und pflegt eine Liste mit Empfänger, Betreff und Anzahl der Tage seit Versand. Threads mit Antwort verschwinden von selbst.

Ergebnis: Die Liste ist immer aktuell, ohne dass ich sie pflege. Und ich sehe auf einen Blick, was seit drei Wochen unbeantwortet ist. Das ist der Punkt, an dem aus einem Wartet-auf ein Anruf wird.

5. Meeting-Notiz zu nächsten Schritten

Auslöser: Ein Dokument in einem Ordner namens Meeting Notizen.

Ablauf: Ein Modell liest die Notiz und zieht daraus alles heraus, was nach Zusage, Aufgabe oder Termin klingt, jeweils mit Verantwortlichem. Das Ergebnis landet als Liste in meiner Inbox, nicht direkt auf einer Projektliste.

Der letzte Punkt ist wichtig. Ich lasse die KI nicht entscheiden, was ein nächster Schritt ist. Sie liefert Rohmaterial in die Inbox, die Klärung mache ich. Wer diesen Schritt der Maschine überlässt, hat nach zwei Wochen Listen voller Dinge, die er nie zugesagt hat.

6. Downloads räumt sich selbst auf

Auslöser: Täglich um sechs Uhr früh.

Ablauf: Alles, was älter als sieben Tage ist, wandert in einen Ordner Archiv/Jahr-Monat. Bilder, Installer und Zip-Dateien älter als dreißig Tage werden gelöscht.

Ergebnis: Der Ordner ist wieder das, was er sein soll, nämlich eine Durchgangsstation und kein Lager. Diese Automatisierung ist die simpelste von allen und hat mich am wenigsten Aufwand gekostet. Zehn Minuten.

Wo es schiefgeht

Vier Dinge, die ich gelernt habe, teils schmerzhaft.

Automatisierte Unordnung ist immer noch Unordnung. Wenn deine Ordnerstruktur schon vorher nicht funktioniert hat, macht ein Skript sie nur schneller kaputt. Erst den Prozess klären, dann automatisieren. Das ist derselbe Fehler wie ein neues Tool zu kaufen, statt das eigene System zu reparieren.

Der Code läuft, bis er nicht mehr läuft. KI-generierte Skripte haben typischerweise keine ordentliche Fehlerbehandlung. Wenn Google mal zickt oder ein PDF kaputt ist, bricht die Sache still ab. Ich lasse mir bei jedem Fehler eine Mail schicken. Das ist die eine Zeile Code, die du dir nicht sparen solltest.

Achte auf Idempotenz. Ein Skript, das mehrfach über dieselben Daten läuft, darf nicht dreimal denselben Ordner anlegen. Frag die KI explizit danach, von selbst kommt es selten.

Nicht alles gehört automatisiert. Klären und Entscheiden sind der Kern der Sache, und die kann mir keine Maschine abnehmen. Automatisierbar ist der Transport: Dateien verschieben, umbenennen, Daten einsammeln, Listen aktuell halten. Sobald es um die Frage geht, was etwas für mich bedeutet und was der nächste Schritt ist, bin ich dran.

Wie du anfängst

Nimm die nervigste wiederkehrende Aufgabe der letzten Woche. Nicht die größte, die nervigste. Dann beschreib sie einer KI so:

Schreib mir ein Google Apps Script. Es soll jeden Tag um 6 Uhr alle Dateien in meinem Drive-Ordner “Downloads”, die älter als 7 Tage sind, in einen Unterordner “Archiv/JJJJ-MM” verschieben, passend zum Änderungsdatum der Datei. Leg den Zielordner an, falls er nicht existiert. Wenn ein Fehler auftritt, schick mir eine Mail an meine Adresse mit der Fehlermeldung. Erklär mir Schritt für Schritt, wo ich das Skript einfüge und wie ich den Trigger einrichte.

Der letzte Satz ist der wichtigste, wenn du noch nie mit Apps Script gearbeitet hast. Teste zuerst mit einer Handvoll Kopien, nicht mit deinen echten Daten. Und lass ein Skript nie etwas endgültig löschen, bevor du es nicht zwei Wochen beobachtet hast.

Meine erste Automatisierung war die mit den Downloads. Nicht die eleganteste, aber die, nach der ich weitermachen wollte.

Häufige Fragen

Brauche ich Programmierkenntnisse, um Routineaufgaben zu automatisieren?

Nein. Für Skripte in Google Apps Script oder Automatisierungen zwischen Trello und Drive reicht es, den gewünschten Ablauf präzise zu beschreiben. Was du brauchst, ist Geduld beim Testen und die Bereitschaft, Fehlermeldungen an die KI zurückzugeben, statt aufzugeben.

Welche Aufgaben eignen sich zur Automatisierung?

Alles, was regelmäßig anfällt, klare Regeln hat und keine Bewertung erfordert: Dateien umbenennen und ablegen, Ordner anlegen, Daten aus Dokumenten extrahieren, Listen aktuell halten, Informationen für den Wochenrückblick einsammeln. Nicht geeignet ist alles, was eine Entscheidung über Bedeutung und Priorität verlangt.

Wie viel Zeit spart das konkret?

Bei mir sind es rund drei Stunden im Monat für die Rechnungsablage und etwa zwei Stunden für die Rückblick-Vorbereitung. Der größere Effekt liegt woanders: die Ablage ist verlässlich, und ich muss nicht mehr daran denken.

Was ist der häufigste Fehler beim Automatisieren?

Einen kaputten Prozess zu automatisieren. Wenn deine Ablagestruktur vorher nicht funktioniert hat, beschleunigt ein Skript nur das Chaos. Erst die Struktur festlegen, dann automatisieren.

Themen: Automatisierung, KI, Google Apps Script, Wochenrückblick

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