· Notiz
Was Automatisierung im Konzern wirklich aufhält
Die technische Hürde ist fast nie das Problem. Was Projekte kippt, sind Zuständigkeit, Betriebsvereinbarung und die Frage, wer das Ding in zwei Jahren betreut.
In fast jedem Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe, gab es eine Automatisierung, die funktioniert hat und trotzdem nie in Betrieb ging.
Der Grund war fast nie technisch.
Drei Dinge, die vorher geklärt sein müssen
Wem gehört das Ergebnis. Eine Automatisierung, die Daten aus System A nach System B bringt, hat zwei Eigentümer und keinen Verantwortlichen. Wenn sie ausfällt, ruft niemand an, weil niemand zuständig ist. Sie fällt trotzdem aus, nur merkt es keiner. Kläre das vor dem ersten Skript.
Was der Betriebsrat dazu sagt. Alles, was Aktivität von Mitarbeitenden erfasst, fällt potenziell unter Mitbestimmung. Auch dann, wenn es nur zählt, wie viele Tickets ein Team abarbeitet. Das ist kein Grund, es nicht zu tun. Es ist ein Grund, früh zu fragen. Eine Automatisierung, die nach sechs Wochen Bauzeit an einer Betriebsvereinbarung scheitert, hätte man in Woche eins anders zuschneiden können.
Wer sie in zwei Jahren betreut. Der häufigste Todesfall im Konzern ist nicht der Fehler. Es ist der Weggang der einen Person, die wusste, wie es läuft. Wenn eine Automatisierung nur in einem Kopf existiert, ist sie eine Schuld, kein Gewinn.
Was daraus folgt
Ich baue nichts, was nicht dokumentiert und übergeben ist. Auch dann nicht, wenn es schneller ginge. Ein Skript ohne Übergabe ist ein Prototyp, der so tut, als wäre er ein Produkt.
Praktisch heißt das: es gibt eine Seite Text, die erklärt, was das Ding tut, wo es läuft, was passiert, wenn es ausfällt, und wen man dann anruft. Wenn diese Seite nicht existiert, ist das Projekt nicht fertig.
Und die kleine Version davon
Für Einzelpersonen gilt dasselbe im Kleinen. Eine Regel im Postfach, die du in einem halben Jahr nicht mehr erklären kannst, wirst du irgendwann abschalten, weil du ihr nicht mehr traust.
Schreib auf, was du gebaut hast. Zwei Sätze reichen.
Themen: Automatisierung, IT